Trumps Steuerreform und die Auswirkung einer steigenden Ungleichheit auf die Wirtschaft


(Bild: https://upload.wikimedia.org)

Steuerreform im Schnelldurchlauf Donald Trump hat es geschafft seine Steuerreform in den USA durchzusetzen. Dabei stimmte der Senat der Reform mit einer knappen Mehrheit zu, obwohl nur ein Bruchteil der Abgeordneten den knapp 500 seitigen Bericht gelesen haben wird. Dieser wurde nämlich erst eine gute Stunde vor der Abstimmung ausgehändigt und sogar während der Sitzung angepasst, um die Abgeordneten zu überzeugen. Laut Berechnungen (siehe Handelsblatt 02.12.2017) kommt diese Steuersenkung jedoch nicht der Wählerschaft Trumps - der Mittelschicht - zu Gute, sondern lässt die Reichen mit einem durchschnittlichen jährlichen Einkommen von über 60.000 Dollar profitieren.

Die logische Konsequenz ist eine erhöhte Einkommensungleichheit. Die unteren Einkommensschichten zahlen im Verhältnis zu ihrem Einkommen mehr Steuern als die oberen Einkommensschichten. Die Idee der Steuerreform ist es, die Wirtschaft durch erhöhte Konsumausgaben anzukurbeln. Doch fraglich ist, ob die "Reichen", die auch vor der Steuerreform schon ein vergleichsweise hohes Konsumpotential hatten, durch das frei gewordene Einkommen ihren Konsum tatsächlich erhöhen. Ein Wirtschaftswachstum ist nicht notwendigerweise gewährleistet. Auch das Ausweiten der Schere zwischen Arm und Reich ist hinsichtlich ihrer Auswirkung auf die Wirtschaft bedenklich. Darauf möchte ich im Folgenden näher eingehen, da ich mich erst kürzlich mit dieser Problematik auseinandergesetzt habe.

Ungleichheit und Finanzkrisen

Grundsätzlich lassen sich unterschiedliche Kanäle von Finanzkrisen identifizieren, wobei ich mich auf folgende zwei fokussiere:

  • Kredite / Schulden

  • Zinsen

Alle wirken auf unterschiedlichste Weisen auf die Wirtschaft ein, der Hauptfaktor scheint jedoch die Menge der Schulden bzw. das Volumen der vergebenen Kredite zu sein. Nun werden in unserem Wirtschaftssystem stets Schulden aufgebaut, da ohne sie kein Geld entstehen und kein Einkommen existieren würde (mehr dazu findest du in einem nächsten Blogeintrag). Das System ist auch solange stabil, wie die Schulden bedient werden können. Ist dies jedoch nicht der Fall und die Bankenwelt bleibt auf sogenannten faulen Krediten sitzen, steigt das Kreditrisiko der Banken und folglich vergeben sie weniger Kredite. Durch die verringerte Kreditvergabe bleiben Investitionen aus, Unternehmen können sich nicht refinanzieren und fallen in die Insolvenz: Die Wirtschaft stagniert.

Die Frage ist nun also, wann können Kredite nicht mehr bedient werden?

Hier kommt der Motor des Geldmarktes ins Spiel: der Zins. In Zeiten niedriger Zinsen, wie wir sie in den letzten Jahren erlebt haben, steigt die Kreditaufnahme seitens der Unternehmen und privaten Haushalte. Das liegt daran, dass die Kreditnehmer erwarten, die Schulden aufgrund der niedrigen Zinsen leicht zurückzahlen zu können. Auch Vermögenswerte steigen in ihren Preisen, da Investoren auf der Suche nach Rendite in diese investieren und so die Nachfrage gegenüber des Angebots erhöhen. Beispielsweise könnten die Gelder wie vor der Finanzkrise 2008 in den Häusermarkt fließen. Die Preise steigen von einem Hoch zum nächsten. Da die erworbenen Häuser auch als Kreditsicherheiten hinterlegt werden können, ist die Kreditaufnahme zusätzlich beschleunigt. Die Wirtschaft boomt und die Gefahr der Entstehung von Asset-Blasen steigt. Vergleichbares können wir in letzter Zeit im Bereich der sogenannten Crypto-Währungen (allen voran Bitcoin) beobachten, auch dazu findest du findest du mehr in einem nächsten Blogeintrag.

Doch was passiert, wenn nun die Zinsen steigen?

Die logische Konsequenz liegt auf der Hand. Ein steigender Zins führt zu einer erschwerten Refinanzierung von Kreditnehmern. Zahlungsausfälle häufen sich und um die Darlehen an die Banken zurück zu zahlen, werden die hinterlegten Kreditsicherheiten liquidiert. Die Immobilienblase in 2008 ist genau aus diesem Grund geplatzt. Die vergebenen Kredite waren mit sogenannten Teaser-Rates versehen, welche einen variablen Hypothekenzins darstellen, der sich nach einer bestimmten Zeit erhöht.

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Eine steigende Ungleichheit hätte hier insofern einen verschärfenden Einfluss, als dass immer mehr Kredite an Haushalte mit niedrigeren Einkommen gehen, denen eine spätere Refinanzierung schwer fallen könnte. Ein weiterer starker Faktor ist, dass Menschen sich oft vergleichen. Gerade in den USA werden Statussymbole wertgeschätzt. Wenn nun ein Arbeiter aus der Mittelschicht sieht, dass sein Nachbar stets vermögender wird, sich ein neues Haus leistet, ein neues Auto zulegt oder gar eine Yacht besitzt, so könnte er sich im Verhältnis zu seinem Nachbarn arm fühlen. Eine sozioökonomische Theorie ist nun, dass dieser Arbeiter versucht seinen Konsum dem des Nachbarn anzupassen. Fehlt ihm hierzu das nötige Einkommen, bleibt ihm die Finanzierung über Kredite. Ungleichheit könnte auch auf diesem Wege zu einer stärkeren Kreditvergabe führen. Jeder erkennt, dass dies sehr problematisch ist. Der Arbeiter lebt über seine Verhältnisse. Schlimmer noch: er könnte einen Teufelskreis auslösen, denn auch er hat noch einen weiteren Nachbarn...

Weiterhin kritisch: Der Duesenberry-Effekt geht davon aus, dass Menschen ihre Konsumausgaben ihrem Einkommen nach oben hin anpassen, jedoch nicht umgekehrt. D.h. bei einem erhöhten Einkommen (z.B. auch über Kredite) werden die Konsumausgaben entsprechend erhöht. Bei einem fallenden Einkommen findet eine entsprechende Reduzierung der Konsumausgaben allerdings nicht statt. Der Weg aus der Verschuldung ist somit zusätzlich erschwert.

Die Vergangenheit zeigt außerdem, dass eine erhöhte Ungleichheit mit niedrigeren Zinsen einhergehen könnte. Zumindest in den USA ließ sich dies in der Ära von Bill Clinton feststellen, als dieser im Zuge einer hohen Ungleichheit vielen Mittelschichtlern ermöglichte, das Nr.1 Statussymbol des Amerikaners zu erwerben: Ein Haus. Dies setzte Clinton mittels niedriger Hypothekenzinsen durch.

Doch nicht nur der Gedanke an eine Finanzkrise sollte zu einer Reduzierung der Ungleichheit anregen, sondern auch der Gedanke an die Fairness. Hierzu ein paar Fakten: Ein Topmanager im Jahre 1980 verdiente das 42-fache eines durchschnittlichen Arbeiters. Was schätzt Du, wie viel ist es genau 21 Jahre später im Jahr 2001? Es ist schon das 531-fache. Und dieser Unterschied ist lediglich bezogen auf das Einkommen. Bei der Ungleichverteilung im Vermögen besaßen in 2014 die 10% der vermögendsten Personen ca. 72% des gesamten Vermögens (bezogen auf die USA). Dabei sollte man immer im Kopf behalten, dass Vermögen initial durch Einkommen erworben wird und Einkommen auf Schulden basiert. Das Vermögen des Einen sind die Schulden des Anderen.

(Selbst erstellt anhand der Datenquelle: http://wid.world/data/)

Fazit: Trumps Steuerreform verstärkt die Ungleichverteilung und erhöht sogar das Potential von steigenden Staatsschulden der USA. Verringerte Steuereinnahmen und erhöhte Ausgaben im Rahmen seines Konzeptes "America First" tragen zu letzterem bei. Die Ungleichheit steigt, die Schulden steigen und die Federal Reserve erhöht langsam, aber stetig den Leitzins. Dies sind Fakten, die erwähnenswert sind und jeder auf seine Weise interpretieren darf.

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